LAL Sprachreisen Blog

Wie weltoffen sind die Webseiten deutscher Städte?

Die Sprachenvielfalt ist in Deutschland schon lange angekommen, zumindest in der Bevölkerung. Das Zusammenwachsen Europas, die Globalisierung, eine beständig wachsende Anzahl von Migranten und der boomende Tourismussektor sind wesentliche Gründe dafür. Die sogenannte Flüchtlingskrise hat den Fokus nur noch einmal verstärkt auf die in Deutschland bereits bestehende Mehrsprachigkeit gelenkt und auf die Notwendigkeit mehrsprachiger Informationen seitens der Städte, Länder und Behörden.

LAL Sprachreisen wollte wissen, wie deutsche Städte auf die sprachlichen Veränderungen und die Bedürfnisse ausländischer Bürger reagieren. Wie sieht es aus mit der sprachlichen Barrierefreiheit und letztlich mit der Weltoffenheit in deutschen Großstädten?

Hintergrund der Untersuchung

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts lebten 2017 in Deutschland über 18 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind circa 23 Prozent der Gesamtbevölkerung oder fast jeder fünfte Einwohner. Asylbewerber sind in dieser Statistik noch nicht mit aufgenommen. Ebenfalls für 2017 ermittelte das Statistische Bundesamt knapp 84 Millionen Übernachtungen von ausländischen Gästen in deutschen Beherbergungsbetrieben – also in Hotels, Hostels und anderen Unterkünften. Außerdem lebt in Deutschland eine Reihe von Minderheiten (Dänen, Sorben, Sinti, Roma, Friesen und Gebärdensprachler), die durch ihre Sprache anerkannt sind.

Diese kulturelle und sprachliche Vielfalt spiegelt sich in den zahlreichen türkischen, italienischen, spanischen, indischen und chinesischen Restaurants wieder. Geht man durch die Einkaufsstraßen großer Städte, hört man Russisch, Arabisch und viele andere Sprachen. Besucht man dagegen die Internetseiten deutscher Städte, ist es mit dieser Sprachvielfalt oftmals schnell vorbei.

Während Städte wie München, Münster und Karlsruhe ihre Seiten in sechs Sprachen anbieten, beschränken selbst große Städte wie Hamburg, Frankfurt und Köln ihr Angebot auf Deutsch und Englisch. Absoluter Spitzenreiter ist Hannover mit 18 Sprachen, wohingegen es auch immer noch Städte gibt, die überhaupt keine Fremdsprache für erforderlich halten. Dabei sind die touristischen Angebote noch am ehesten in mehreren Sprachen verfügbar. Behördeninformationen oder gar Formulare fallen bezüglich Mehrsprachigkeit in den meisten Städten weit zurück. Für ausländische Mitbürger, die auf mehrsprachige Informationen angewiesen sind, bleibt die deutsche Verwaltung oft ein Buch mit sieben Siegeln und der Gang zum Amt die Pflicht.

Bezüglich einfacher (also leicht verständlicher) Sprache und Gebärdensprache sieht das Ergebnis noch schlechter aus. Lediglich drei der untersuchten Stadtportale bieten ihre Seite in einfacher Sprache an (Frankfurt, Düsseldorf, Bremen) und nur zwei in Gebärdensprache (Düsseldorf, Bonn). Hier finden Sie alle Städte in einer Übersicht.

Bestandsaufnahme im März 2018

Im März 2018 haben wir die Internetseiten der 25 größten Städte in Deutschland hinsichtlich ihrer sprachlichen Barrierefreiheit durchforstet. Wir wollten wissen: Wie einfach oder schwierig ist der Zugang für ausländische Bürger? In welchen Sprachen werden die Internetseiten angeboten? Wie umfangreich ist das mehrsprachige Angebot? Zusätzlich haben wir direkt bei den Städten nachgefragt – aber leider nicht immer Auskunft erhalten.

So steht es um die sprachliche Barrierefreiheit der 25 größten Städte in Deutschland

Das Ergebnis unserer Recherche ist in hohem Maße divergent. Zehn der untersuchten Stadtportale bieten nur Englisch als Fremdsprache an. Weitere zehn Portale stellen ihre Internetseite in drei bis sieben Fremdsprachen zur Verfügung. Drei Portale gibt es nur in Deutsch. Hannover sticht mit 18 Fremdsprachen weit heraus. Nachfolgend das Ergebnis im Einzelnen.

Die Portale der drei größten Städte in Deutschland

Berlin

Brandenburger TorDas Service-Portal Berlin (berlin.de) wird in sieben Fremdsprachen angeboten (in Englisch, Französisch, Italienisch, Chinesisch, Polnisch, Russisch und Türkisch). Das ist im Vergleich schon ganz gut. Allerdings werden vor allem touristische Informationen und Wirtschaftsseiten in die Fremdsprachen übersetzt. Da, wo es zur Bürgerinformation und zu den Behörden geht, bleibt die Seite konstant in Deutsch – ganz gleichgültig, welche Sprache zuvor ausgewählt wurde. Termine bei Behörden vereinbaren, Online-Formulare ausfüllen und andere Online-Angebote nutzen geht also nur, wenn man der deutschen (Behörden-)Sprache einigermaßen mächtig ist.

Hamburg

Das offizielle Stadtportal für Hamburg (hamburg.de) wird nur in einer Fremdsprache zur Verfügung gestellt – und zwar in Englisch. In der englischen Version werden neben touristischen und wirtschaftlichen Infos auch teilweise Behördeninformationen angeboten. Diese betreffen aber weitgehend nur die wichtigsten Schritte, die im Rahmen eines Zuzugs nach Hamburg erforderlich sind. Dafür werden auch einige Formulare in Englisch bereitgestellt. Zudem gibt es ein paar allgemeine Informationen für Flüchtlinge auf Englisch. Die deutsche Version bietet hingegen einen umfangreichen Zugang zu Behördeninformationen und zum E-Government mit zahlreichen Onlinediensten und Online-Formularen. Die tauchen in der englischen Version überhaupt nicht auf.

München

MünchenDas Stadtportal von München (münchen.de) ist in den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Arabisch und Chinesisch verfügbar. Auch hier werden touristische und wirtschaftliche Informationen in die jeweiligen Sprachen übersetzt. Bei den Behördeninformationen unterscheiden sich die Angebote in den verschiedenen Sprachen erheblich. Während auf Englisch noch eine Reihe von nützlichen (Zuzugs-)Informationen und sogar einige Formulare angeboten werden, driften die Seiten in den anderen Sprachen mehr und mehr in rein touristische Informationen ab. Der Zugang zu dem umfangreichen „Behördenfinder“ mit einem entsprechenden behördlichen Onlineservice ist auch hier nur über die deutsche Seite verfügbar.

Der Spitzenreiter: Hannover

Die CeBIT und die Hannover Messe lassen grüßen. Wer regelmäßig die Welt zu Gast hat, der wird offensichtlich auch selbst weltoffener. Unter den 18 Sprachen, in denen das Stadtportal „hannover.de“ veröffentlicht wird, sind auch so exotische Sprachen wie Suomi oder Eesti und Norwegisch, die nur von einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe gesprochen werden. Die Formulare im touristischen Bereich und die Formulare der Stadtverwaltung sind auf Deutsch und auf Englisch verfügbar.

Ein breites Mittelfeld

Das Stadtportal von Dresden (dresden.de) bietet insgesamt sieben Fremdsprachen an (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Polnisch und Russisch). Die Formulare sind überwiegend in Deutsch verfügbar, ausgewählte Formulare können auch in der englischen Version online ausgefüllt werden.

Die Internetseiten von Karlsruhe (karlsruhe.de) und Münster (muenster.de) können in sechs Fremdsprachen abgerufen werden (Karlsruhe in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch und Türkisch; Münster in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch und Niederländisch). Die Formulare auf „karlsruhe.de“ stehen in Deutsch zur Verfügung. Auf dem Stadtportal von Münster werden einige Formulare auch auf Englisch und in weiteren Sprachen angeboten, unter anderem Formulare, die das Asylverfahren betreffen.

WiesbadenWuppertal (wuppertal.de) und Wiesbaden (wiesbaden.de) stellen ihre Stadtportale mit fünf Fremdsprachen ins Netz. Wuppertal in Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch und Chinesisch. Formulare sind auf der Internetseite von Wuppertal auf Deutsch verfügbar. Auf den fremdsprachigen Seiten fehlt die Behördeninformation, die in der deutschsprachigen Version verfügbar ist, komplett. Auf Nachfrage verweist man auf die Webseite „integration-in-wuppertal.de“, auf der spezielle Informationen zur Integration in den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Türkisch und Russisch bereitgestellt werden.

Das Stadtportal von Wiesbaden (Englisch, Türkisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch) übersetzt zwar die Haupt-Behördenseite noch auf die genannten Sprachen, alle darunter liegenden Detailinformationen zu den einzelnen Behörden wie Öffnungszeiten, Formulare etc. werden jedoch nur noch auf Deutsch angezeigt. Die Webseite von Bonn (bonn.de) kommt immerhin noch auf drei Fremdsprachen (Englisch, Französisch und Spanisch). Die Formulare sind grundsätzlich in deutscher Sprache; mit zwei Ausnahmen: das Formular zur Beherbergungssteuer (alle drei Fremdsprachen) und das Formular für die Anmeldung nach dem Meldegesetz (in Englisch). Das Portal ist außerdem in der Gebärdensprache verfügbar.

Düsseldorf stellt sein Stadtportal „düsseldorf.de“ in Englisch zur Verfügung, die Seite für Wirtschaftsdaten zusätzlich noch in Russisch, Chinesisch, Koreanisch, Japanisch und Türkisch. Die Internetseite ist außerdem in einfacher Sprache und in der Gebärdensprache abrufbar.

Stadtportale mit nur einer Fremdsprache (Englisch)

Neben Hamburg sind zehn weitere Stadtportale nur in Deutsch und in Englisch verfügbar:

Köln (koeln.de), Frankfurt (frankfurt.de), Stuttgart (stuttgart.de), Dortmund (dortmund.de), Essen (essen.de), Leipzig (leipzig.de), Bremen (bremen.de), Nürnberg (nuernberg.de), Bielefeld (bielefeld.de) und Mannheim (mannheim.de).

Einige der Städte bieten Formulare teilweise in Englisch an. In Frankfurt gilt dies für Ferienanfragen und ein Formular zum Waffentransport. Außerdem wird die Webseite in einfacher Sprache zur Verfügung gestellt. Dortmund bestätigt auf Nachfrage, dass einige ausgewählte Formulare im touristischen Bereich in Englisch zur Verfügung stehen. Die Stadt Essen teilt mit, dass einige Informationen im Flüchtlingskontext in sechs Sprachen verfügbar sind. Das Stadtportal Essen bietet einige Online-Formulare in Deutsch und Englisch an, unter anderem Formulare der Ausländerbehörde. Die Internetseite von Mannheim plant in nächster Zukunft eine Übersetzung ins Französische. Bremen stellt sein Stadtportal auch in einfacher Sprache zur Verfügung. Nürnberg teilt mit, dass bei „uns“ Formulare in der Amtssprache deutsch nutzbar sind.

Die Schlusslichter (Webseite nur auf Deutsch)

Unter den Portalen der ausgewählten Städte befinden sich vier, die nur in deutscher Sprache abrufbar sind. Duisburg (duisburg.de), Bochum (bochum.de), Gelsenkirchen (gelsenkirchen.de) und Augsburg (augsburg.de).

In Gelsenkirchen scheint man den Bedarf an mehrsprachigen Informationen trotzdem durchaus erkannt zu haben. Nach eigener Aussage gibt es einige Dokumente in verschiedenen Sprachen: „Einzelne oft benötigte Formulare gibt es in verschiedenen Sprachen, wie etwa den Vordruck für Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Dieses Papier halten wir in 21 Sprachen vor“, so Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt. In Bochum behilft man sich mit einem integrierten „Google Übersetzer“, einige Formulare sind in Englisch vorhanden. In Duisburg ist eine englische Version der Tourismusseiten geplant.

Fazit: Stadtportale und Sprachenrealität driften auseinander

Wenn man sich durch die Internetseiten der Stadtportale hangelt, möchte man vielleicht noch Tourist, aber ganz bestimmt nicht jemand sein, der mit wenigen Deutschkenntnissen auf Informationen angewiesen ist. Englischkenntnisse helfen zwar weiter, aber auch nur in bestimmten Städten und häufig nur in Bezug auf allgemeine Informationen. Bedenkt man, dass es selbst für deutsche Muttersprachler durchaus nicht immer einfach ist, sich im „Behördendschungel“ und mit der deutschen Amtssprache zurecht zu finden, dann kann man sich vorstellen, vor welchen Schwierigkeiten und Barrieren ausländische Bürger stehen.

Webseiten am ComputerErstaunlich ist, dass Städte mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund ihr Stadtportal nur auf Deutsch und Englisch anbieten – darunter Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands. In Frankfurt haben mehr als die Hälfte der Einwohner ausländische Wurzeln. Die größte Gruppe bilden Türken, gefolgt von Kroaten, Italienern und Polen. In Stuttgart sind es 40 Prozent, die einen Migrationshintergrund haben. In Duisburg, das sein Stadtportal nur in Deutsch anbietet, sind es immerhin knapp über 20 Prozent.

Betrachtet man zudem, wo die Schwerpunkte der Mehrsprachigkeit auf den Internetseiten liegen, nämlich auf den touristischen und wirtschaftlichen Informationen, dann kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Weltoffenheit nur dort eine Priorität hat, wo auch Geld damit verdient werden kann. Der Abbau von Sprach- und damit auch von Integrationsbarrieren scheint weniger wichtig zu sein.

Was sind die Gründe für die Unterschiede

Woher kommt diese erhebliche Diskrepanz zwischen mehrsprachiger Bevölkerungsrealität und dem immer noch stark monolingual-deutschen Angebot von Städten und Behörden? Ein Grund ist sicher, dass Deutschland bis heute nicht offiziell als Einwanderungsland gilt. Die Diskussionen darum, ob Deutschland eines ist, dauern seit Jahren an und zwar unter konsequenter Außerachtlassung der Tatsachen.

Auch die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Städten fallen ins Auge. Jede Stadt fährt ihren eigenen Kurs. Das ist auch bei der Digitalisierung der Fall. In deutschen Amtsstuben werden Akten noch überwiegend konventionell bearbeitet. Die Archive stehen voll mit Papierakten, die noch immer auf ihre Digitalisierung warten. Grund des Digitalisierungsstaus ist zum einen der Föderalismus in Deutschland. Die Kommunen entscheiden weitgehend selbst, wie sehr sie sich hier engagieren. Mit dem Ergebnis, dass viele Kommunen noch gar nicht digitalisiert haben und die Kommunen, die dabei sind, alle an einer eigenen – nicht kompatiblen Software – herumbasteln. Datenaustausch zwischen den Kommunen bleibt so Fehlanzeige.

Zum anderen ist der in vielen Fällen durchaus sinnvolle Datenschutz ein weiterer Faktor. So müssen beispielsweise Eltern aus datenschutzrechtlichen Gründen ihr neugeborenes Kind erst beim Standesamt anmelden, um dann mit der Geburtsbescheinigung bei der Familienkasse Kindergeld beantragen zu können. Wenn aber das System und die Abläufe an sich schon so kompliziert sind, wie soll da ein barrierefreier Zugang für fremdsprachige Bürger realisiert werden? Die Sprache alleine ist nicht das einzige Problem.

Was ist zu tun?

Digitalisierung und Entbürokratisierung

Im August 2013 wurde in Deutschland das Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung (E-Government-Gesetz) erlassen. Damit sollte eine „blühende“ elektronische und effiziente Verwaltungslandschaft in Deutschland entstehen. Als die Europäische Kommission 2017 den Index für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft veröffentlichte, lag Deutschland im Bereich der digitalen öffentlichen Verwaltung gerade einmal auf Platz 21. Sogar Rumänien schnitt besser ab.

Deutschland wird sich etwas einfallen lassen müssen. Nicht nur wegen der Herausforderung, die durch die Industrie 4.0 auch eine moderne und digitale Verwaltung bedingt, oder durch den steigenden Fachkräftemangel, der eher mehr als weniger Zuwanderung erforderlich macht.

Die Digitalisierung muss eine Staatsaufgabe mit hoher Priorität werden und darf nicht die Angelegenheit der Kommunen bleiben. Für eine effiziente Verwaltung reicht Digitalisierung aber nicht aus. Auch die Verwaltungsprozesse müssen effizienter werden. Entbürokratisierung ist eine Grundvoraussetzung dafür. Nur den Missstand zu digitalisieren bringt nicht automatisch eine Verbesserung. Es stellt sich auch die Frage, warum jede Stadt ihr eigenes Formular haben muss und eine eigene Übersetzung dazu. Da, wo die gleiche gesetzliche Grundlage gegeben ist, kann so etwas auch zentral und damit wesentlich weniger arbeits- und kostenintensiv erfolgen.

Verwendung und Nutzung von Herkunftssprachen

Die Verwendung von Herkunftssprachen bedeutet, dass das vorhandene Sprachenpotential gezielt und effizient genutzt wird. In der Industrie, vor allem in international tätigen Unternehmen und in Startups, passiert das oft schon automatisch, indem Arbeitnehmer aus der ganzen Welt eingestellt werden. Untereinander wird in Englisch kommuniziert, dort wo andere Fremdsprachen erforderlich sind, werden die Aufgaben von den entsprechenden Muttersprachlern wahrgenommen. Für Städte und Behörden muss dieses Vorgehen ebenfalls in den Fokus rücken. Sie müssen gezielt herausfinden, welche Fremdsprachen in ihrem Einzugsbereich hauptsächlich gesprochen werden und ihre Personalpolitik darauf ausrichten. Die Einstellung von Mitarbeitern mit entsprechenden Herkunftssprachen ist mittel- und langfristig nicht nur effizienter, sondern auch günstiger als das Vorhalten von Übersetzern.

Antirassismusrichtlinie 2000/43/EG / „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG)

Auch die Gesetzeslage zwingt zum Handeln. Mit der Antirassismusrichtlinie 2000/43/EG hat die Europäische Union im Jahre 2000 alle EU-Mitgliedsländer dazu verpflichtet, gegen Ungleichbehandlung aufgrund von ethnischer Herkunft geeignete Standards zu schaffen, und das bis zum Jahr 2003. Ziel der Richtlinie ist es, „die Entwicklung demokratischer und toleranter Gesellschaften zu gewährleisten, die allen Menschen – ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft – eine Teilhabe ermöglichen.“

2006 wurde diese Richtlinie in Deutschland mit dem „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) umgesetzt. Zwar enthält das AGG keinen direkten Bezug zum Problem geringer Deutschkenntnisse, zur Mehrsprachigkeit oder zu Sprachbarrieren. Dieser Bezug lässt sich aber über die „mittelbare Benachteiligung“, die im AGG geregelt ist, herstellen. Eine solche „mittelbare Benachteiligung“ liegt vor, „wenn dem Anschein nach neutrale Maßnahmen Personen wegen ihrer ethnischen Herkunft in besonderer Weise benachteiligen können, ohne dass dies notwendig ist“. Die Verbesserung der sprachlichen Barrierefreiheit durch eine vermehrte internationale Ausrichtung der Portale und durch mehr adäquate Informationen und Angebote für Zuwanderer ist also nicht nur ein „nice to have“, sondern ein „must do“!

Die Integration von Zuwanderern ist eine Angelegenheit, die für Deutschland eine immer größere Bedeutung haben wird. Um von der Zukunft nicht abgehängt zu werden, müssen Informationen schnell und unkompliziert zur Verfügung stehen, für jeden, der sie braucht. Die Digitalisierung und die Entbürokratisierung der Verwaltung sind dabei nicht die Aufgaben der Zukunft, sondern die dringlichen Voraussetzungen, um die Aufgaben der Zukunft meistern zu können.

Übersicht der Städte – Fremdsprachen und Formulare

Stadt Fremdsprachen Formulare Anmerkungen zur Webseite
Berlin 7 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und teilweise Bürgerinformationen in allen Sprachen
Hamburg 1 Deutsch, teilweise Englisch Tourismus-, Wirtschafts- und teilweise Bürgerinformationen auf Englisch
München 6 Deutsch, teilweise Englisch Tourismus-, Wirtschafts- und teilweise Bürgerinformationen in Fremdsprachen
Köln 1 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts- und teilweise Bürgerinformationen auf Englisch
Frankfurt 1 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und teilweise Bürgerinformationen auf Englisch
Stuttgart 1 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und Bildungsinformationen auf Englisch
Düsseldorf 7 Deutsch Portal auf Englisch, Wirtschaftsbereich in weiteren Fremdsprachen
Dortmund 1 Deutsch, teilweise Englisch Tourismus auf Englisch, Sozialbereich in weiteren Sprachen
Essen 1 Deutsch, teilweise Englisch Tourismus und Soziales auf Englisch, Asylthemen in weiteren Sprachen
Leipzig 1 Deutsch, teilweise Englisch Zahlreiche Bereiche auf Englisch verfügbar
Bremen 1 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und teilweise Bürgerinformationen auf Englisch
Dresden 7 Deutsch, teilweise Englisch Zahlreiche Bereiche auf Englisch, einzelne Inhalte in weiteren Sprachen
Hannover 18 Deutsch, Englisch Zahlreiche Bereiche in allen Sprachen verfügbar
Nürnberg 1 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und Bürgerinformationen auf Englisch
Duisburg 0 Deutsch Webseite ausschließlich in deutscher Sprache, weitere Sprachen in Planung
Bochum 0 Deutsch, teilweise Englisch Webseite auf Deutsch, durch integrierten Google-Übersetzer weitere Sprachen
Wuppertal 5 Deutsch Tourismus-, Wissenschafts- und Bildungsinformationen in fünf Fremdsprachen
Bielefeld 1 Deutsch Tourismus-, Wissenschafts- und Wirtschaftsinformationen auf Englisch
Bonn 3 Deutsch Zahlreiche Bereiche in allen Sprachen verfügbar
Münster 6 Deutsch, häufig Englisch Verschiedene Bereiche in verschiedenen Sprachen – fehlende Übersicht
Karlsruhe 6 Deutsch Tourismus-, Wirtschafts-, Kultur- und teilweise Bürgerinformationen in allen Sprachen
Mannheim 1 Deutsch, teilweise Englisch Inhalte auf Englisch, weitere Sprachen (zuerst Französisch) in Planung
Augsburg Webseite im Relaunch, deshalb auf eigenen Wunsch ohne Angaben
Wiesbaden 5 Deutsch Verschiedene Bereiche in verschiedenen Sprachen – fehlende Übersicht
Gelsenkirchen 0 Deutsch Webseite ausschließlich in deutscher Sprache
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