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Deutsch im Ausland: In welchen Ländern wird Deutsch gesprochen?

Ist die deutsche Sprache wieder im Aufwind?

Gleich mehrere Gründe haben uns dazu veranlasst, dem Thema nachzugehen, welchen Stellenwert die deutsche Sprache in der Welt hat. Deutschland gehört laut der 2017 veröffentlichten GfK-Studie (Gesellschaft für Konsum-, Markt-, und Ansatzforschung e.V.) wieder zu den beliebtesten Ländern weltweit. Immer mehr junge Menschen aus unseren europäischen Nachbarländern zieht es in das wirtschaftsstarke Deutschland.

Wie wirkt sich das auf die Verbreitung der deutschen Sprache aus? Wo wird aktuell, außer in Deutschland, überhaupt Deutsch gesprochen, und welche Rolle spielt die deutsche Sprache im Vergleich zu den großen Welt- oder Verkehrssprachen Englisch und Spanisch?

Über 100 Millionen Menschen sprechen Deutsch

Weltweit wird Deutsch von rund 118 Millionen Menschen gesprochen. Außer Deutschland gehören Österreich und Lichtenstein zu den deutschsprachigen Ländern. Darüber hinaus ist Deutsch in einer Reihe von Ländern als Amtssprache anerkannt oder gilt offiziell als Minderheitensprache (Schweiz, Belgien, Dänemark, Italien (Südtirol und Vatikanstadt), Luxemburg, Polen, Slowakei, Rumänien, Tschechische Republik, Ungarn und Russland).

Aber auch in Ländern außerhalb des europäischen Kontinents ist Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache weitaus mehr verbreitet, als man vermuten würde. So wird Deutsch in Brasilien von über einer Million Menschen gesprochen. Zudem ist Deutsch in neun brasilianischen Gemeinden neben Portugiesisch sogar offizielle Amtssprache. Und im afrikanischen Namibia ist es für etwa 20.000 Menschen Muttersprache und gehört zu den elf Nationalsprachen.

Deutsch wird weltweit nicht nur als Mutter- oder Zweitsprache erlernt, sondern auch als Fremdsprache gesprochen. Der Soziologe Ulrich Ammon geht in seinem 2015 erschienen Grundlagenwerk „Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt“ von rund 14,5 Millionen Menschen aus, laut einer Datenerhebung des Goethe Instituts sind es sogar 15,46 Millionen Menschen. Damit gehört Deutsch zu den drei bis vier häufigsten Fremdsprachen, die weltweit gelernt werden – nach Englisch, Französisch und Spanisch. Hier geht’s zur kompletten Übersicht der Länder, in denen Deutsch gesprochen wird.

Ist Deutsch eine Weltsprache?

Deutsch gehört eindeutig zu den „großen Sprachen“ und findet sich meist unter den zehn meistgesprochenen Sprachen der Welt wieder – in manchen Erhebungen landet es allerdings auch erst auf dem elften Platz. Ist Deutsch deswegen eine Weltsprache? Nein, genauso wenig wie Chinesisch, obwohl es von über einer Milliarde Menschen gesprochen wird. Die Sprecherzahl ist nicht ausschlaggebend dafür, ob eine Sprache es zur Weltsprache schafft. Wichtig ist auch, wie intensiv sie von Ländern und internationalen Organisationen als Amtssprache genutzt wird, welche Rolle sie bei internationalen Handelskontakten, in der Diplomatie oder bei der Wissensvermittlung spielt.

Wo wird Deutsch gesprochen: Die Ergebnisse

Wir haben uns in der Welt umgesehen, um herauszufinden, in welchen Ländern Deutsch gesprochen wird. Die Zahlen können jedoch nur eine Annäherung an die tatsächlichen Sprecherzahlen sein.

Auf die Schwierigkeit, genaue Zahlen zu ermitteln, verweist auch Ammon ausführlich in seinem Werk. Wesentliche Gründe hierfür sieht er in den Erhebungsmethoden, die unterschiedliche Kriterien wie beispielsweise Status der Sprache (Amtssprache), Umfang existierender (deutschstämmiger) Minderheiten und Auswandererstatistiken als Grundlage für die Erhebung nutzen. Dass eine Sprache zusätzliche Amtssprache ist oder deutsche Wurzeln vorhanden sind, sagt jedoch nur bedingt etwas darüber aus, inwieweit in einem Land tatsächlich Deutsch gesprochen wird.

In der Europäischen Union ist Deutsch die meist gesprochene Muttersprache (16 bis 18 Prozent). Aber warum wird in anderen europäischen Ländern überhaupt Deutsch gesprochen? Einerseits hat sich die Entwicklung der Sprachräume nicht immer an Landesgrenzen gehalten und andererseits haben sich Landesgrenzen im Laufe der Zeit verschoben, ohne sich unbedingt an Sprachgrenzen zu halten. Zudem gab es im Laufe der Geschichte immer wieder größere und kleinere Bevölkerungsbewegungen wie etwa von Deutschland nach Osteuropa oder Auswanderungen auf andere Kontinente. Daraus resultieren bis heute in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern deutsche Sprachminderheiten. Am weitesten ist die deutsche Sprache in Westeuropa verbreitet.

Neben Deutschland, Österreich und Lichtenstein ist die deutsche Sprache in Frankreich (1,2 Millionen Sprecher), Luxemburg (475.000 Sprecher), in den Niederlanden (400.000 Sprecher) und in Italien (310.000 Sprecher) weit verbreitet. Die hohe Anzahl in Frankreich ergibt sich weitgehend aus den fränkischen und alemannischen Dialekten, die in der Region Grand Est (früher Elsass, Champagne-Ardenne und Lothringen) gesprochen werden. In Luxemburg ist Deutsch neben Letzeburgisch und Französisch offizielle Amtssprache.

In den Niederlanden leben rund 360.000 Deutsche, die in das Land eingewandert sind. An vielen niederländischen Schulen wird Deutsch als Fremdsprache angeboten. Die Mehrheit der Deutschsprachigen in Italien lebt in Südtirol, das bis 1919 zu Österreich gehörte und in dem heute noch mehr als 60% der Bevölkerung Deutsch als Muttersprache sprechen. In Spanien, das ein beliebtes Auswanderland in Europa ist, wird die Zahl auf 100.000 geschätzt und in Griechenland auf 45.000. In Schweden, ebenfalls Sehnsuchtsort vieler Deutscher, liegt die Zahl bei zirka 50.000 Sprechern.

Die „Deutschsprachige Gemeinschaft“ in Belgien (76.000 Sprecher) gehört wie Südtirol zu den Sprachminderheiten mit den am besten gestellten Rechten in einem mehrheitlich anderssprachigen Land. Obwohl sie faktisch zur französischsprachigen Region Wallonien gehört, stellen sie neben der Flämischen und der Französischen eine eigene Gemeinschaft dar (Südtirol hat eine weitgehend autonome Verwaltung). Auch in Dänemark (20.000 Sprecher) lebt eine deutschstämmige Minderheit – vor allem in Nordschleswig -, das bis 1920 zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörte.

In Osteuropa spielen die deutschstämmigen Minderheiten der früheren Siedlungsgebiete, wie beispielsweise Russlanddeutsche und Ungarndeutsche, eine Rolle für die Präsenz der deutschen Sprache: Russland (597.000 Sprecher), Kasachstan (358.000 Sprecher), Polen (58.000 Sprecher), Ungarn (50.000 Sprecher). In Ungarn ist die deutschstämmige Bevölkerung sogar die größte Minderheit im Land.

Die deutsche Sprache im Rest der Welt

Seit Jahrhunderten haben Menschen den deutschen Sprachraum verlassen, um sich auf anderen Kontinenten anzusiedeln. Früher waren es meist wirtschaftliche Gründe, heute sind es eher die Vorliebe für ein Land oder eine Kultur. Kein Wunder also, dass auch in der Dominikanischen Republik Deutsch gesprochen wird (20.000 Sprecher) . Im sonnigen Südafrika sind es geschätzt 300.000 bis 500.000 Muttersprachler. Im angrenzenden Namibia, das einmal deutsche Kolonie war, sprechen 20.000 Menschen Deutsch.

Nach wie vor gehörten die USA zu den beliebtesten Auswanderungsländern. Noch heute verlassen jährlich weit über 10.000 Bundesbürger Deutschland, um in den USA zu leben. Die geschätzte Zahl der Deutschsprechenden in den USA liegt bei 1,1 Millionen. In manchen Staaten liegt Deutsch hinter Englisch und Französisch auf Platz drei der Sprachen, die im privaten Bereich gesprochen wird. Das Gebiet zieht sich von Alabama über den Mittleren Westen bis nach Montana, Wyoming und Colorado.

Auch Kanada (438.000 Sprecher) steht ganz oben auf der Liste der Auswanderungsländer. Seit den 1940er Jahren sind über 400.000 Deutsche in das Land ausgewandert. Im ebenfalls beliebten Auswanderungsland Australien beläuft sich die Schätzung auf  77.000 Sprecher. Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die deutsche Gemeinschaft ihre Sprache in viele süd- und mittelamerikanische Länder getragen. In Brasilien beläuft sich die Schätzung auf 1,1 Millionen Sprecher, in Argentinien auf 400.000, Paraguay 166.000, Chile 20.000 und Mexiko 80.000 Sprecher. Auch die jüdische Diaspora hat die deutsche Sprache in die Ferne getragen. So wird die Zahl der in Israel deutschsprechenden Personen auf 200.000 geschätzt, wobei hier auch die Zahl der jiddisch sprechenden Personen enthalten ist.

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Deutschlernenden in Ägypten von 120.000 auf 250.000 mehr als verdoppelt. Grund dafür ist vor allem die Bildungsreform mit der Verfassung von 2014, die für jeden Bürger des Landes Bildungsmöglichkeiten vorsieht. Im Schuljahr 2014/15 lernten in Ägypten 229.420 Schüler Deutsch als Fremdsprache. Eine negative Entwicklung ist dagegen in der Russischen Föderation zu beobachten. Von 2010 bis 2015 sank die Zahl der Schüler, die Deutsch lernten, von 1,6 auf 1,1 Millionen. Zunehmend entscheiden sich städtische Schulen, Englisch statt Deutsch als erste Fremdsprache zu unterrichten. Zudem sank die Zahl der Schulen, die Deutsch unterrichten, in nur fünf Jahren von 22.600 auf 16.800 Einrichtungen.

Übersicht: Wo wird Deutsch gesprochen?

Deutschsprachige Länder Sprecher
Deutschland 77.000.000
Österreich 7.570.000
Lichtenstein 35.365
Amtssprache oder Minderheitensprache Sprecher
Schweiz 5.000.000
Frankreich 1.200.000
Russland 597.212
Südafrika 500.000
Luxemburg 474.000
Italien 310.000
Paraguay 166.000
Belgien 78.000
Polen 58.000
Ungarn 50.000
Tschechien 41.200
Dänemark 20.000
Slowakei 5.200
Weitere Länder Sprecher
Brasilien 1.100.000
USA 1.100.000
Kanada 438.000
Argentinien 400.000
Niederlande 400.000
Kasachstan 358.000
Israel 200.000
Irland 100.000
Spanien 100.000
Mexiko 80.000
Australien 77.500
Großbritannien 77.000
Schweden 50.000
Griechenland 45.000
Rumänien 45.000
Thailand 25.000
Türkei 25.000
Chile 20.000
Dominikanische Republik 20.000
Kirgistan 20.000
Namibia 20.000
Serbien 5.000
Ukraine 3.800
Kroatien 3.000
Lettland 3.000
Litauen 3.000
Estland 2.000
Slowenien 1.600
Papua-Neuguinea 100

Eine „kleine, große“ Sprache geht um die Welt

Gemessen an der Verbreitung vieler anderer Sprachen starker Wirtschaftsnationen wie beispielsweise Norwegisch, Schwedisch oder Dänisch ist Deutsch eine große Sprache. Gemessen an der Verbreitung von Sprachen wie Englisch, Spanisch oder auch Chinesisch fällt sie zahlenmäßig jedoch weit zurück. Trotzdem konnte sich die deutsche Sprache weltweit ausbreiten. Was sind die Gründe dafür?

Kolonialisierung

Ein wesentlicher Faktor für die Ausbreitung von Sprachen war die Kolonialisierung, die als erste Art der Globalisierung betrachtet werden kann. Da hatten die Engländer, Spanier und die Portugiesen die Nase vorn. Deutschland spielte bei der Kolonialisierung nur eine unbedeutende Rolle. Lediglich ein paar kleinere Länder, vor allem in Afrika, fielen unter die Herrschaft der Deutschen. Die Durchsetzung der „Herrschersprache“ als Amtssprache im großen Stil, wie dies bei den anderen Kolonialmächten erfolgte, scheiterte schon daran, dass Deutschland nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs alle Kolonien wieder verlor.

Auswanderung

Ganz anders sah es bei der Auswanderungsbewegung aus. Spätestens ab Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts zogen Millionen von Deutschen über die Meere. Allein an der Besiedlung Amerikas waren zwischen fünf und sechs Millionen Deutsche beteiligt. Heute haben schätzungsweise 60 Millionen Amerikaner deutsche Wurzeln. Die deutschen Auswanderer festigten zunehmend ihre Stellung und waren über Jahre hinweg eine einflussreiche „Community“. Das zeigt nicht zuletzt die Mühlenberg-Legende, nach der es Ende des 18. Jahrhunderts in den USA eine Gesetzesvorlage gegeben haben soll, mit der Deutsch zur offiziellen Landessprache werden sollte. Ganz so war es allerdings nicht. Tatsächlich gab es lediglich eine Petition deutscher Einwanderer aus Virginia, nach der Gesetze in Englisch und in Deutsch veröffentlicht werden sollten. Der Deutsch-Amerikaner Frederik Mühlenberg, erster Sprecher des Repräsentantenhauses, war das Zünglein an der Waage und entschied mit Nein.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen auch die Auswanderungsbewegungen nach Osteuropa. Nach dem Ersten Weltkrieg und teilweise auch wieder nach dem Zweiten zog es viele deutsche Auswanderer nach Südamerika.

Die deutsche Sprache erobert die Wissenschaft

Die große Zeit der deutschen Sprache kam aber erst durch den Aufschwung der Wissenschaften und durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Hier konnte sich Deutschland neben England, Frankreich und den USA von Anfang an etablieren und damit auch die deutsche Sprache als einer der führenden Wissenschaftssprachen. Viele wissenschaftliche Erkenntnisse und Entdeckungen wurden auf Deutsch publiziert. Wer sie lesen wollte, musste Deutsch lernen.

Wo steht die deutsche Sprache heute?

Von einer Weltwissenschaftssprache hat sich Deutsch zu einer Wirtschaftssprache für bilaterale Kontakte entwickelt. Der Anteil an deutschen Publikationen in den Naturwissenschaften liegt gerade noch bei einem Prozent, in den Sozialwissenschaften immerhin noch bei sieben Prozent. Am ehesten spielt Deutsch noch eine internationale Rolle als Wissenschaftssprache aufgrund der vielen klassischen Werke in den Geisteswissenschaften. Dass immer mehr deutsche Universitäten Studiengänge internationalisieren und Englisch als Studiensprache einführen, könnte weiter zur abnehmenden Bedeutung der deutschen Sprache als Wissenschaftssprache beitragen.

Welche Zukunft hat die deutsche Sprache?

Deutsch ist mehr als eine Regionalsprache, zur Weltsprache konnte es sich jedoch nicht entwickeln. Während der Globalisierung fand Deutsch nicht die Verbreitung und Bedeutung wie die englische und spanische Sprache, die heute noch offizielle Amtssprachen in vielen früheren Kolonien sind. Ein wesentlicher Punkt ist aber auch, dass Deutschland und damit auch seine Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich an Bedeutung verlor. Jahrelang wurde Deutsch in vielen Ländern gemieden und teilweise sogar staatlich verboten. Bis heute ist Deutsch auch keine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen (nur Dokumentensprache) und auch keine Amtssprache des Europarats (nur Arbeitssprache). In der Europäischen Union gehört Deutsch zu den 23 Amtssprachen, wird aber weit weniger genutzt als Englisch oder Französisch. Die Globalisierung hat zudem dazu beigetragen, dass sich Englisch als wichtigste Arbeits- und Verkehrssprache durchgesetzt hat.

Erst seit Deutschland wieder eine wichtige wirtschaftliche und politische Rolle spielt, ist das Interesse an der deutschen Sprache und der deutschen Kultur gewachsen. Ammon dokumentiert in seinem Buch, dass 2010 in 119 Staaten außerhalb des deutschen Amtssprachengebiets Deutsch als Fremdsprache an öffentlichen Schulen gelehrt wurde und in 117 Ländern an Universitäten. Zuwächse gab es vor allem in China, Indien, Brasilien und in afrikanischen Ländern, während es in den GUS-Staaten und in Osteuropa, wo Deutsch vor dem Zweiten Weltkrieg als zweite Fremdsprache weit verbreitet war, eher an Bedeutung verlor.

Vom Vorteil, Deutsch zu sprechen

Es war schon immer so: Die Sprache, die Chancen eröffnet, wurde auch gelernt. Deutschland zählt zu den stärksten Wirtschaftsnationen der Welt. Betrachtet man das Bruttosozialprodukt, das alle Muttersprachler insgesamt erwirtschaften, liegt Deutsch weltweit auf Platz drei und im Internet ist Deutsch eine der drei am meisten genutzten Sprachen. Die Attraktivität einer Sprache ist auch immer abhängig von den Möglichkeiten, die sie bietet. Die Zunahme der Deutschlernenden in Entwicklungsländern ist kein Zufall. In China lernen viele junge Menschen Deutsch, um in Deutschland zu studieren. Darüber hinaus besteht dort eine hohe Affinität zur deutschen Kultur. Wie sich die deutsche Sprache zukünftig entwickeln wird, ist auch davon abhängig, wie groß die Vorteile sind, Deutsch zu sprechen.

LAL Team
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